E-Sport ist auch Sport

Reflexe müssen gelernt und eingeübt werden aber du hast Recht. Wie
ich bereits schrieb muss ein Spieler reflexartig die angebrachte
Waffe wählen, die Maus auf die richtige Position stellen, abhängig
von der verwendeten Waffe, der Lauf-Richtung des Gegners und dem
Level (Vorhersagen wo der Gegner hin laufen wird) und abdrücken, das
alles in unter einer Sekunde und der Schuss muss sitzen. Korrekt.
Ein schönes Beispiel für das, was ich in meinem Beitrag mit
“geschwollen” bezeichnet habe.
Das Üben vom Vorhalten beim Schiessen plus passenden Reflex, im
richtigen Moment abzudrücken, sowie das Auswendiglernen von Levels,
damit man weiss wo ständig Leute aus Toren kommen, in den Ecken
stehen, sich auf Brücken verstecken (hervorragend zu sehen in dem
Quake-Youtube-Video, was Du weiter unten verlinkt hast), das ist …
Das zu können ist nicht so trivial wie du es ausgedrückt hast.
… nicht trivial, aber bei weitem eben nicht die Leistung, welche
von der breiten Masse die Bezeichnung “sportlich” rechtfertigt.
Ein schönes Beispiel fällt mir da gerade ein: E-Sportler sind stolz
auf ihre “Hand-Auge-Koordination” und ihrer Reflexe. Wie sehr
verblasst diese “Leistung” doch gegen die (ursprünglich nicht
wettbewerbsorientierte) Sportart Parkour ..
. http://de.wikipedia.org/wiki/Parkour ..
[..]Das sind alles Sachen die mit extrem viel Erfahrung
zusammen hängen.
“extrem viel Erfahrung”, das klingt wieder sehr positiv.
De facto ist es aber doch so, daß man irgendwann weiss, wo die Leute
lang laufen, in welchen dunklen Ecken sie campen. Den Rest besorgen
die Reflexe.
Die einen mögen diese beiden Teilleistungen als “sportlich” ansehen,
andere – und in diesem Fall sehr viele andere – tun das eben nicht.
Es reicht eben einfach nicht. Wenn ein E-Sportler seine Killing
Sprees und Rocket Jumps durchführt, während er gleichzeitig
Kopfrechenaufgaben löst und sich auf einem Laufband befindet, dann
wirds langsam sportlich.
> Bei Team Fortress verteidigen 8 Leute ihre Flagge.
> [..] erfordert viel strategisches Denken.
Ich habe einiges TeamFortress (primär aber HL-TF, nicht so klasse)
gespielt. Mal ehrlich, die Einzelleistung steht hier deutlich im
Vordergrund.
Gegen jemanden, der fleissig fraggt, sind Kommunikation, Setup,
strategisches Denken für die Tonne. Die simple Fähigkeit, im
richtigen Moment in die richtige Richtung zu schiessen, macht den
Rest überflüssig.
Das ist übrigens auch etwas, warum ich (und da stehe ich nicht
alleine da, das weiss ich) trotz allem Hype dem Fußball nicht so viel
abgewinnen kann. Wirklich gute Egomanen sind erfolgreich, auch ohne
Team. Oder Basketball, da ists ja völlig normal daß das Team um
einen, maximal zwei Leistungsträger herum
aufgebaut wird. In z.B. Volleyball und Handball ist das nicht
möglich.
Aber ich komme vom Thema ab.
Von einem Snooker-Spieler wird auch ausdauer verlangt
aber darunter wird da ganz was anderes verstanden als beim Fussball.
Richtig, beim Snooker-Spieler ist die Ausdauer die Fähigkeit zur
Ausdauer bei der Konzentration. Snooker ist auch ein schönes Beispiel
für einen Sport, der sich dem Laien erst auf den zweiten Blick als
solcher entpuppt. Da stoßen Leute mit Stöcken gegen Kugeln, simple
Physik, sollte man meinen.
Im Vergleich zum E-Sport ist die Leistung, die gute Snooker-Spieler
vollbringen, aber objektiv einfach höher zu bewerten. Sie kämpfen mit
einer echten Physik, nicht mit einem Modell. Die notwendige Präzision
der Ausführung der Körperbewegung steht der bei Shootern geforderten
Reaktionszeit in nichts nach. Was die angelernten (oder schöner
gesagt: antrainierten), simplen Reflexe bei Tastatur und Maus retten
können, kostet den Snookerspieler Frame und Spiel, wenn er nervös und
zittrig wird. Die Kunst, das “Bild” zu lesen und einen schönen Break
daraus zu entwicklen und anschliessend umzusetzen, ist einfach eine
größere Leistung, als zu wissen in welche Ecke man eine Sentry Gun
setzt und wo man Flamer, Sniper und Spys abstellt.
Das eine ist virtuell, Reflexe, Stein+Schere+Papier in einer
“Engine”, das andere ist echte Physik, real-world-Strategie und eben
alles eine Ebene höher, anspruchsvoller, fordernder.
Ich merk schon, deine Ausführungen drehen sich um CS?
Schau dir Quake an. http://www.youtube.com/watch?v=liobVa82TgI
Das ist ein Beispiel von dem was ich versucht habe klarzumachen.
So beeindruckend ich diese Kills auch finde, zumal sie mich an
phantastische Rocket-Jump-Orgien erinnern, so sehr bestätigen sie
mich nur darin, daß da Leute zu viel Zeit verbracht haben, Levels
auswendig zu lernen und Reflexe darauf zu trainieren, den Mauszeiger
zur richtigen Zeit in die richtige Richtung zu halten.
Ich gebe zu, die Einstellung als solche ist subjektiv, die Bewertung
der LEISTUNG die dahinter steht, aber eben nicht nur subjektiv.
Ebenso die eines Rennfahrers,

Ein Badminton-Spieler (ich habe viele Jahre Badminton immhin bis auf

und Konstituion) .. sogar eine Menge Psychologie ist im Spiel.
s.o. Jede Sportart hat ihre Schwerpunkte
richtig. Jetzt sind wir beim Kern. E-Sport beschränkt sich, ich
drücke es jetzt mal ganz banal aus, wie es meine Eltern, meine
Großeltern und sicher alle meine Nachbarn ausdrücken würden: simples
Klicken und Tasten drücken.
Das ist überspitzt formuliert, aber es zeigt, worum es geht. Die
Leistung ist eine ganz andere, als die von klassischen Sportarten.
Und dem gemeinen Volksempfinden nach, eine deutlich geringere -
weshalb man ihr die Anerkennung als Sport verwehrt.
Badminton/Tennis/TT usw gibts auch Double+Mixed] und das Spiel .. der
Sport .. Icon Smile in E-Sport ist auch Sport um eine weitere Komplexität angereichert.
nix neues in Team Fortress, CS, und anderen Team-basierten Games.
Wie ich bereits mehrfach schrieb, die Strategie- und
Interaktionskomponente verblasst hier vollends vor der individuellen
Frag-Leistung.
Und Snooker spielen ist auch nur ball stoßen, Rennfahren ist auch nur
Autofahren usw. Man kann alles bis zur Banalität vereinfachen.
Zu Snooker habe ich in diesem Beitrag etwas geschrieben, zu
Motorsport in meinem ersten Beitrag.
Natürlich sollte man bei seinem Sport Spass haben. Sonst würde man es
nicht treiben.
Das bezweifle ich nicht.
Es ging aber um die Grenze von Spiel zu Sport. Wenn man mal Kommerz
und die systemimmannente Folge Doping außen vor läst, ist es die
LEISTUNG, die Spiel von Sport unterscheidet.
Die Leistung von Zehnkämpfern wird anerkannt, weil sie deutlich
sichtbar und offensichtlich ist. Die von “E-Sportlern” nicht, weil
die Leute das, was E-Sportler vollbringen, nicht als Leistung
ansehen.
Warum das so ist, habe ich nun wirklich lang und breit geschrieben.
Hausaufgaben, RL-Sport und anderen Betätigungsfeldern (Beispiel

Musizieren: dauert lang bis es so klingt wie im Radio/Fernsehen

…:-P).

Es dauert bei jeder Sache ewig bis du diese perfekt beherrschst.
Bei Shooter Noobs oder einfache Bots killen, das schafft jeder, der
nicht grobmotorisch veranlagt ist. Spaß.
Einer Geige Töne entlocken, die nicht alle Haustiere in die Flucht
treibt, dauert Monate.
Warum? Ein Schwimmer trainiert auch im Wasser. Empfindest du da auch
Hohn und denkst an Freizeitbad, Sonne und kühles Bier?
Nein, nochmal: es ging um die Leistung. Um bei diesem Beispiel zu
bleiben, der E-Spieler trainiert Reflexe, seine rechte und linke
Hand, mit gutem Willen noch räumliches Denken und Gedächtnis (für das
Auswendiglernen von Levels und Laufwegen).
Der Schwimmer trainiert seinen Körper, Ausdauer, Kraft, und schon
sehr früh – dazu muss man noch gar nicht auf dem Niveau eines
Wettkampfschwimmers – Technik.
Wenn ich “Hand-Auge-Koordination” und “Reflexe” eines
Ego-Shooter-Spielers vergleiche mit Leistung, Kraft, Ausdauer und
Bewegungstechnik eines guten Schwimmers, komme ich nicht umhin,
diejenige des Schwimmers als eine deutlich höhere Leistung zu
betrachten und “Hand-Auge-Koordination” einmal mehr als sehr
geschwollen zu belächeln.
Ein Kraftsportler müßte demnach alles andere verspotten,
wo man nicht 250kg stemmen muss.
Ich bin 2003 vom Badminton in den Fitness-Bereich gewechselt. Den
Begriff “Kraftsport” nutze ich nicht von ungefähr ungerne, weil ich
selbst (als ehemaliger “Kraftsportler”) der Meinung bin, daß
“Kraftsport” kein Sport ist. Schau Dich um und guck Dir an wie die
Leute Bodybuilder und Gewichtheber bewerten. Mag sein daß es
historisch Sport heisst, die wenigsten haben jedoch den Respekt
dafür, den es historisch gewachsen beansprucht.
Klar, hier wird physisch enormes geleistet. In Verbindung mit
ausgefeilten und kombinierten Ernährungs- und Trainingsplänen (das
geht tatsächlich auch ohne Doping) kann man den Körper erstaunlich
umformen.
Was dieser Aktivität fehlt, und weshalb man sich dabei schwer tun
kann, es als Sport zu bezeichnen, ist die “mangelnde Schöpfungshöhe”,
die es einem “gewissen sportlichen Anspruch” aber zu vollbringen
hätte.
Salopp gesagt ist das nach Tagesplan und Kalorientabellen ernähren
und stupide mechanische Ausführen von noch so anstrengenden Übungen
genau so banal wie das Lernen von Levelstrukturen und Trainieren von
Point and Shoot Reflexen.
Nicht vollends objektiv meßbar aber eben doch fühlbar weniger
LEISTUNG, als das, was ein Mehrkämpfer, ein Badminton-Spieler oder
auch ein Rennfahrer vollbringt.

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